Staatsbürgerkunde wird durch Projekte und Spiele näher gebracht
Valdone Verseckiene unterrichtet eine UNESCO Klasse am Laurynas Ivinskis Gymnasium, in Kursenai, Litauen. Die Klasse setzt sich aus 15-18 jährigen Schülern verschiedener Klassen zusammen. Normalerweise werden UNESCO Themen wie 'Weltkulturerbe' diskutiert, doch in diesem Schuljahr, nach der Tragödie in Beslan, haben sich alle Beteiligten darauf geeinigt, sich mit friedlicher Konfliktlösung zu beschäftigen, um auch anderen Schülern Toleranz und friedliche Problemlösung näher zu bringen.
Wie andere UNESCO Schulen auf der ganzen Welt, führen auch wir Projekte mit Partnern aus verschiedensten Ländern der Erde durch. Die Projekte, an denen unsere Schüler und Lehrer teilnehmen, beschäftigen sich mit Kunst, Umwelt, Drogenaufklärung, etc.
Ich persönlich interessiere mich sehr für Themen rund um das UNESCO Weltkulturerbe. Meine UNESCO Klassen verändern sich jedes Jahr, denn einige Schüler verlassen die Schule und andere kommen hinzu. Die Idee ist jedoch immer dieselbe: Junge Menschen, die sich für das UNESCO Weltkulturerbe interessieren, fühlen sich dafür verantwortlich, einen kleinen Beitrag zu leisten, um die Welt zu verbessern. Sie treffen sich ein Mal pro Woche und veranstalten verschiedenste Aktivitäten und Projekte.
Im Jahre 2002 gewannen wir zum Beispiel einen europäischen Preis für unser Sprachenprojekt "Tourist Routes of Kursenai". Dies war das Ergebnis eines zweijährigen Projekts. Wir entwarfen mit PowerPoint eine CD Präsentation. Zudem gestalteten wir 14 Folder über 14 Plätze in unserer Kleinstadt, an denen sich junge Menschen gerne aufhalten, die von historischer Wichtigkeit sind oder an denen neue Gebäude, wie das Jugendamphitheater am Ufer des Flusses Venta, errichtet wurden.
In diesem Jahr haben wir uns darauf geeinigt, uns mit friedlicher Konfliktlösung zu beschäftigen. Ich möchte eine Unterrichtsaktivität, die meinen Schülern sehr gefällt, mit Ihnen teilen. Ziel war es, ihnen beizubringen, offen und ehrlich miteinander umzugehen, Gefühle zu zeigen und sich zuzuhören. Dies sind wesentliche Fähigkeiten, um sich gegenseitig besser zu verstehen.
Wir saßen alle im Kreis. Am Boden vor uns lagen viele bunte Kärtchen mit abstrakten Bildern, Linien, Schatten, etc. Jeder konnte also etwas Unterschiedliches in diesen Bildern erkennen. Jeder Schüler wählte mit den Augen eine Karte aus. Die Karte musste widerspiegeln, wie man sich an diesem Tag fühlte. Anschließend erklärte jeder dem gesamten Kreis seine Gefühle. Während die Schüler sprachen, nahmen sie die Karte vom Boden, zeigten sie den Kollegen und legten sie wieder zurück. Die meisten Schüler wählten die selben Karten aus, sahen jedoch völlig unterschiedliche Dinge in ihnen.
Die Schüler waren begeistert von dieser Aktivität, denn es gefiel ihnen, dass jeder zuhörte und auch selbst gehört wurde. Ich denke, dies war ein kleiner aber erfolgreicher Schritt in Richtung Kommunikationsfertigkeiten. Diese sind unerlässliche wenn es um Toleranz geht. In der nächsten Stunde werden wir einen weiteren Schritt vorwärts gehen. Ich werde eine Aktivität durchführen, die ich von Yael Sharon, einem berühmten und angesehen Experten in kooperativem Lernen, gelernt habe.
Wir wissen alle, dass es unmöglich ist, den tragischen Beginn dieses Schuljahres zu vergessen. Und wir wissen auch, dass Lehrer und Schüler weltweit in jeder Schule weiterhin Samen des Friedens und der Demokratie pflanzen müssen. Dies sind wir den Opfern von Beslan schuldig.
Wir unterstützen 'Ein-Tages-Aktionen' wie den Friedenstag. Doch es sollten auch längerfristige Aktivitäten durchgeführt werden. Wir sind überzeugt davon, dass es viele Schulen gibt, die bereits Erfahrungen mit derartigen Aktivitäten gesammelt haben. Wir hoffen, sie teilen diese Erfahrung mit anderen Schulen und tragen so zu einer besseren Welt bei.